Brief an die Aktionäre

Für uns steht die Sicherheit unserer Produkte an erster Stelle

Sehr geehrte Aktionärinnen und Aktionäre, liebe Freunde von Bayer (Handschrift)

ich freue mich, Ihnen den neuen Geschäftsbericht zu präsentieren. Er blickt zurück auf ein besonders ereignisreiches und nicht ganz einfaches Jahr. Wir haben 2018 die größte Übernahme in der Firmengeschichte von Bayer vollzogen und sind dadurch zum führenden Unternehmen im Agrarbereich aufgestiegen. Unsere Geschäfte haben wir damit konsequent auf die Wachstumsmärkte Gesundheit und Ernährung ausgerichtet, in denen wir mit unserem Know-how und unserer Innovationskraft zu den besten Unternehmen der Welt gehören.

Dennoch war die Kursentwicklung unserer Aktie 2018 sehr enttäuschend. Während der DAX im Jahresverlauf 18 Prozent einbüßte, verlor unsere Aktie etwa 40 Prozent an Wert. Dabei wurden die strategischen Fortschritte und auch die solide wirtschaftliche Entwicklung des Unternehmens von der Unsicherheit über den Ausgang der Produkthaftungsverfahren zu Glyphosat überschattet, nachdem wir in einem Verfahren ein – unserer Meinung nach falsches – erstinstanzliches Urteil in den Vereinigten Staaten hinnehmen mussten.

Auch wenn diese Themen die Schlagzeilen bestimmt haben, ist mir wichtig zu betonen, dass wir das zentrale Versprechen unseres Unternehmens – „Science for a better life“ – auch im vergangenen Jahr wieder millionenfach eingelöst haben. Wir konnten mit unseren Produkten dazu beitragen, das Leben unserer Kunden – also von Patienten, Konsumenten und Landwirten – zu verbessern. Das ist es, was uns ausmacht und was uns antreibt.

Bayer-Vorstandsvorsitzender Werner Baumann (Foto)

Bayer-Vorstandsvorsitzender
Werner Baumann

Möglich gemacht haben das insbesondere unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter überall auf der Welt, die sich auch 2018 mit ihren Fähigkeiten und ihrer Leidenschaft für Bayer eingesetzt haben. Dafür und auch für Ihre Unterstützung und Ihr Vertrauen, liebe Aktionärinnen und Aktionäre, möchte ich mich im Namen des Vorstands herzlich bedanken.

Operativ haben wir 2018 ein schwieriges Marktumfeld erlebt, mit deutlich negativen Währungseffekten und einer wachsenden Verunsicherung durch globale Handelskonflikte. Zudem konnten wir durch Produktionsengpässe in der Division Pharmaceuticals und strukturelle Probleme bei Consumer Health unser Wachstumspotenzial nicht ganz ausschöpfen.

Dennoch haben wir unseren Konzernumsatz währungs- und portfoliobereinigt um 4,5 Prozent gesteigert. Das um Sondereinflüsse bereinigte EBITDA profitierte im zweiten Halbjahr von den Ergebnisbeiträgen des erworbenen Monsanto-Geschäfts und stieg um knapp drei Prozent.

Auch in unserer Pharma-Pipeline und bei der Weiterentwicklung unserer Produkte gab es 2018 einige erfreuliche Neuigkeiten. So erhielten wir in den USA die Zulassung für Vitrakvi™, ein hochwirksames und innovatives Krebsmedikament. Für Darolutamid, eine Entwicklungssubstanz, an der wir gemeinsam mit einem Partner in der Onkologie arbeiten, konnten wir eine Phase-III-Studie erfolgreich abschließen.

Xarelto™ hat als einziger oraler Gerinnungshemmer in den USA und Europa die Zulassung für die Behandlung der koronaren Herzkrankheit und der peripheren arteriellen Verschlusskrankheit erhalten. Gleichzeitig haben wir gemeinsam mit unseren Partnern die Leaps-Projekte mit disruptiven Technologien, etwa im Feld der Stammzellenforschung, weiter erfolgreich vorangetrieben.

Die Akquisition von Monsanto konnten wir nach langwierigen und intensiven Kartellverfahren im Sommer 2018 erfolgreich abschließen. Die Integration ist sehr gut angelaufen und schreitet zügig voran. Ebenso erfreulich sind unsere Fortschritte beim Schuldenabbau: Hier liegen wir mit einer Netto-Finanzverschuldung von rund 36 Milliarden Euro um drei Milliarden Euro besser als zu Beginn des Jahres erwartet.

Wie bereits erwähnt wurde im vergangenen Jahr viel über die Sicherheit von Glyphosat diskutiert. Das erstinstanzliche Urteil im Fall Johnson hat erhebliche negative Reaktionen in den Medien und am Kapitalmarkt zur Folge gehabt. Es war Wasser auf die Mühlen der Aktivisten und professionellen Kritiker der Landwirtschaft. Verbraucher und Aktionäre hat es hingegen in erster Linie verunsichert.

Dabei hat sich an den Fakten überhaupt nichts verändert: Glyphosat ist ein sicheres Produkt. Das belegen seit mehr als 40 Jahren zahlreiche wissenschaftliche Studien und die unabhängigen Bewertungen von Zulassungsbehörden auf der ganzen Welt.

Zuletzt hat das kanadische Gesundheitsministerium ein weiteres Mal die Sicherheit von Glyphosat überprüft und dazu im Januar 2019 ein eindeutiges Statement veröffentlicht. Darin stellt die Behörde unmissverständlich klar: „Ausgehend von den Mengen Glyphosat, mit denen Menschen in Berührung kommen, sieht derzeit keine Zulassungsbehörde weltweit ein Krebsrisiko für den Menschen.“ Für uns unterstreicht diese offizielle Stellungnahme einmal mehr, dass wir die wissenschaftlichen Fakten auf unserer Seite haben, und deshalb werden wir Glyphosat auch weiterhin in allen anhängigen Verfahren entschieden verteidigen.

Mit Blick auf all diese Entwicklungen war 2018 ein herausforderndes Jahr, aber dennoch ein Jahr mit wichtigen Fortschritten. Ich freue mich, dass wir auch in diesem Jahr Sie, liebe Aktionärinnen und Aktionäre, angemessen am Erfolg von Bayer beteiligen können. Wir schlagen daher der Hauptversammlung eine Dividende von 2,80 Euro pro Aktie und damit insgesamt eine neue Rekordausschüttung vor.

Wir haben Ende des vergangenen Jahres die aktualisierte Strategie unseres Unternehmens mit einem damit verbundenen Maßnahmenpaket und ambitionierten mittelfristigen Finanzzielen bekannt gegeben und erläutert. Neben der erfolgreichen Integration bei Crop Science werden die Umsetzung der angekündigten Maßnahmen sowie die Anpassung des Innovationsmodells in unserem Pharmageschäft für den Erfolg der nächsten Jahre entscheidend sein.

Bayer ist damit als weltweit führendes Life-Science-Unternehmen bestmöglich für eine langfristige Wertschaffung aufgestellt.

Mit unserer Mission „Science for a better life“ wollen wir in den Bereichen Gesundheit und Ernährung zu Lösungen beitragen, die im Leben der Menschen von überragender Bedeutung sind: Wie ernähren wir eine stetig wachsende Weltbevölkerung in Zeiten des Klimawandels? Wie können wir mit Innovationen den demographischen Wandel so gestalten, dass er zu einer längeren Lebenszeit führt, die man aktiv in guter körperlicher und geistiger Verfassung nutzen kann? Wie schaffen wir es, dass auch Gesellschaften in Entwicklungsländern besser von moderner Forschung und technologischem Fortschritt profitieren? Wie können wir die Möglichkeiten der Digitalisierung und der künstlichen Intelligenz bestmöglich einsetzen, zum Wohle von Patienten und Kunden, von Landwirten und der Umwelt? Wie können wir sicherstellen, dass die Welt nachhaltig wirtschaftet und verantwortungsvoll mit endlichen Ressourcen umgeht?

Die Antworten auf diese Fragen werden absehbar nicht nur über unseren künftigen Wohlstand entscheiden, sondern auch über unser gesellschaftliches Miteinander. Dafür wollen wir als weltweites, weltoffenes und verantwortungsbewusstes Unternehmen einen Beitrag leisten. Bis 2022 sollen rund 35 Milliarden Euro in Zukunftsinvestitionen fließen, mehr als zwei Drittel davon in Forschung und Entwicklung.

Wir arbeiten in unserer neu aufgestellten Division Crop Science an innovativen Produkten für Saatgut und Pflanzenschutz, an digitalen und passgenauen Lösungen für Landwirtschaftsbetriebe aller Größenordnungen sowie an neuen Ansätzen für eine nachhaltige und ressourcenschonende Landwirtschaft.

Wir arbeiten an einer besseren Gesundheitsversorgung, sei es mit unserer Division Pharmaceuticals, die sich auf Therapiegebiete konzentriert, in denen ein großer medizinischer Bedarf besteht, oder sei es mit den im freien Verkauf erhältlichen Produkten unserer Division Consumer Health, die dem individuellen Schutz der Gesundheit zugutekommen.

Dabei stehen für uns die Sicherheit unserer Produkte sowie das Wohl von Kunden und Patienten an erster Stelle.

Unsere Aktivitäten in Gesundheit und Ernährung sind vereint durch die gemeinsame Marke Bayer, die in der ganzen Welt einen sehr guten Ruf genießt, indem sie für Qualität und Integrität steht, sowie durch eine gemeinsame Infrastruktur und nicht zuletzt eine gemeinsame und kraftvolle Unternehmenskultur. Wir legen bei Bayer sehr viel Wert auf einen Umgang, der von Vertrauen und gegenseitigem Respekt geprägt ist.

Wir wollen, dass die Menschen wissen, wofür Bayer steht. Wir wollen unsere Vorreiterrolle beim Thema Transparenz ausbauen, die wir etwa durch die Veröffentlichung zahlreicher Sicherheitsstudien im Pflanzenschutz eingenommen haben. Und wir wollen unserer Verantwortung als weltweit tätiges Unternehmen gerecht werden, indem wir uns weiterhin engagiert zu den Prinzipien des Global Compact der Vereinten Nationen bekennen und uns an klaren Werten orientieren.

An diesen Werten und an den ambitionierten Zielen, die wir uns für die kommenden Jahre gesetzt haben, wollen wir uns messen lassen, auch von Ihnen, liebe Aktionärinnen und Aktionäre. Ich danke Ihnen für das Vertrauen, das Sie Bayer entgegenbringen. Wir werden auch 2019 alles dafür tun, diesem Vertrauen gerecht zu werden.

Mit freundlichen Grüßen

Ihr Werner Baumann (Handschrift)

Werner Baumann
Vorstandsvorsitzender der Bayer AG

Vergleich zum Vorjahr