Arbeits-, Anlagen- und Transportsicherheit

„Safety first“: Die Prävention von Unfällen und Ereignissen hat für uns höchste Priorität – im Arbeitsalltag, beim Betrieb der Produktionsanlagen und auf Arbeits- und Transportwegen, bei denen Mensch und Umwelt zu Schaden kommen können.

Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz

Zu unseren Kernaufgaben gehören die Arbeitssicherheit und der Schutz der Gesundheit unserer Mitarbeiter sowie der Mitarbeiter von Kontraktoren und Lieferanten, die auf unserem Werksgelände und unter Bayer-Aufsicht arbeiten. Dies beinhaltet die Verhütung von Arbeitsunfällen und Berufskrankheiten, die Beurteilung von Gefährdungspotenzialen, ein umfassendes Risikomanagement sowie die Gestaltung eines gesunden Arbeitsumfelds.

Grundlage unserer Berichterstattung zu Arbeitsunfällen ist die Recordable Incident Rate (RIR). In diese fließen alle Arbeitsunfälle von Mitarbeitern ein, in deren Folge über Erste-Hilfe-Maßnahmen hinaus eine medizinische Behandlung in Anspruch genommen wurde. Dies umfasst Unfälle und berufsbedingte Erkrankungen sowohl mit als auch ohne Ausfalltage. Die RIR-Quote sank 2018 auf 0,39 Unfälle pro 200.000 Arbeitsstunden. Dies entspricht 518 Arbeitsunfällen weltweit. Statistisch gesehen ereignete sich jeweils ein berichtspflichtiger Arbeitsunfall nach mehr als 500.000 geleisteten Arbeitsstunden. 306 der insgesamt 518 Arbeitsunfälle waren berichtspflichtige Arbeitsunfälle mit Ausfalltagen. Die entsprechende Quote Lost Time Recordable Incident Rate (LTRIR) sank 2018 auf 0,24.

Bedauerlicherweise hatten wir 2018 zwei tödliche Arbeitsunfälle zu verzeichnen. Diese betrafen einen Bayer-Mitarbeiter und einen Kontraktorenmitarbeiter.

Berichtspflichtige Arbeitsunfälle1

 

 

2017

 

2018

1

Die Quoten enthalten auch Mitarbeiter beauftragter Drittfirmen, deren Unfall sich auf unseren Werksgeländen und unter Bayer-Aufsicht ereignet hat.

2

RIR = Recordable Incident Rate

3

LTRIR = Lost Time Recordable Incident Rate

4

Davon ein Bayer-Mitarbeiter und ein Kontraktorenmitarbeiter

Quote berichtspflichtiger Arbeitsunfälle (RIR2)

 

0,45

 

0,39

Quote berichtspflichtiger Arbeitsunfälle mit Ausfalltagen (LTRIR3)

 

0,28

 

0,24

Tödliche Arbeitsunfälle4

 

0

 

2

Arbeitsplatzbedingte Erkrankungen

In die Parameter RIR und LTRIR gehen auch arbeitsplatzbedingte Erkrankungen ein, unabhängig davon, ob es sich dabei um gelistete Berufskrankheiten (Occupational Diseases) in nationalen Registern handelt. Da es weltweit keine einheitlichen und in vielen Ländern gar keine Listen sogenannter Berufskrankheiten gibt, dokumentieren wir alle arbeitsplatzbedingten Erkrankungen (Occupational Illnesses), sofern diese ärztlich diagnostiziert und anerkannt wurden. Im Berichtszeitraum wurden konzernweit 34 neue Fälle arbeitsplatzbedingt verursachter Krankheiten gemeldet, die u. a. den Bewegungsapparat sowie hitzebedingte Erkrankungen bei Arbeiten im Freien betrafen.

Berichtspflichtige Arbeitsunfälle (RIR) nach Regionen1

 

 

2017

 

2018

1

Die Quote enthält auch Mitarbeiter beauftragter Drittfirmen, deren Unfall sich auf unseren Werksgeländen und unter Bayer-Aufsicht ereignet hat.

Europa / Nahost / Afrika

 

0,54

 

0,45

Nordamerika

 

0,70

 

0,71

Asien / Pazifik

 

0,17

 

0,15

Lateinamerika

 

0,54

 

0,28

Gesamt

 

0,45

 

0,39

Die Arbeitsplätze bei Bayer werden flächendeckend und regelmäßig einer gesundheitsbezogenen Risikobewertung und Gefährdungsanalyse unterzogen. Durch die daraus abgeleiteten Maßnahmen und gezielten Untersuchungen wollen wir arbeitsbedingten Krankheiten vorbeugen. Neben den jeweiligen landesspezifischen Regelungen für Pflichtuntersuchungen bieten wir unseren Mitarbeitern in allen Ländern, in denen dies gesetzlich zulässig ist, regelmäßig medizinische Untersuchungen – teils verpflichtend – an. Dabei legen wir den Schwerpunkt auf die Risiken am jeweiligen Arbeitsplatz.

Wie in den Vorjahren verzeichneten wir auch 2018 kaum Unfälle (weniger als 3,0 %) mit Chemikalienkontakt. Ein erheblicher Teil der Unfälle und Verletzungen unserer Mitarbeiter hat verhaltensbedingte Ursachen. Diese Herausforderung greift unsere Initiative „Behavioral Safety“ zur Förderung sicherheitsbewussten Verhaltens mit entsprechenden Trainingsprogrammen auf. Seit 2015 wurden weltweit mehr als 12.000 Mitarbeiter an 139 Standorten geschult. In Bereichen, in denen das Programm bereits implementiert ist, kam es zu signifikanten Verhaltensverbesserungen, sodass mittelfristig konzernweit mit einer Senkung der Arbeitsunfallquote zu rechnen ist. Die Initiative soll ab 2019 auch auf die Standorte des akquirierten Agrargeschäfts ausgeweitet werden.

Verfahrens- und Anlagensicherheit

Unser Ziel ist es, unsere Verfahren und Produktionsanlagen so sicher zu gestalten und zu betreiben, dass keine unvertretbaren Risiken für die Beschäftigten, die Umwelt und die Nachbarschaft entstehen. Wir arbeiten daher kontinuierlich an der Weiterentwicklung der Sicherheitskultur, der Kompetenz der Mitarbeiter und den weltweit gültigen Konzernregelungen zur Verfahrens- und Anlagensicherheit. Diese schreiben einheitliche Verfahren und Standards für die Gefahrenidentifikation und das Festlegen von Sicherheitsmaßnahmen vor und gewährleisten damit an allen Produktionsstandorten ein gleiches Sicherheitsniveau. Die Einhaltung interner und externer Sicherheitsvorgaben wird in internen Audits überprüft.

Die Aussagen und Kennzahlen zur Verfahrens- und Anlagensicherheit in diesem Geschäftsbericht treffen auch auf das akquirierte Agrargeschäft zu. Die detaillierte Angleichung der Systeme erfolgt in den kommenden Jahren.

Unsere Experten identifizieren in den Produktionsanlagen systematisch die Prozessrisiken und entwickeln robuste Schutzkonzepte, die Gesundheits-, Sicherheits- und Umweltaspekte berücksichtigen. Um das hohe Sicherheitsniveau unserer Anlagen aufrechtzuerhalten, validieren wir die Schutzkonzepte alle fünf Jahre. Technische Änderungen unterliegen einem strengen Änderungsmanagementprozess. Zusätzlich sind für die Sicherheitseinrichtungen Wartungs- und Prüfprogramme etabliert, um deren geforderte Verfügbarkeit und Funktionsfähigkeit zu gewährleisten. Vor Inbetriebnahme einer neuen Produktionsanlage überprüfen unsere Sicherheitsexperten anhand von Anlagenbegehungen und Geräteprüfungen alle definierten Sicherheitsmaßnahmen und bestätigen die ordnungsgemäße Umsetzung.

Als Frühindikator für Anlagensicherheitsereignisse wird bei Bayer die weltweit einheitliche Kennzahl „Loss of Primary Containment“ (LoPC-Stofffreisetzung / Leckagen) verwendet, die in das konzernweite Sicherheitsberichtswesen integriert ist. Unter LoPC-Ereignissen versteht man den Austritt von chemischen Substanzen oder Energie oberhalb definierter Schwellenwerte aus ihrer ersten Umhüllung, wie Rohrleitungen, Pumpen, Tanks oder Fässern. Die LoPC-Incident-Rate (LoPC-IR) stellt die Anzahl der LoPC-Ereignisse bezogen auf 200.000 Arbeitsstunden dar. Diese lag 2018 bei 0,09 (Vorjahr 0,13). Wir berichten diese Kennzahl nach den Vorgaben des europäischen Chemieverbands (CEFIC), die für ganz Europa einheitlich gelten. Ab 2019 werden wir die Berichtskriterien des internationalen Chemieverbands (ICCA) verwenden und den Austritt von chemischen Substanzen oder Energien als „Process Safety Incidents“ (PSI) bezeichnen.

Um Stoff- und Energieaustritte zukünftig zu vermeiden, werden Anlagensicherheitsereignisse hinsichtlich ihrer Ursachen analysiert und relevante Erkenntnisse konzernweit in angemessener Weise kommuniziert. Die Meldeschwellen wurden bewusst niedrig gesetzt, damit auch solche Stoff- und Energiefreisetzungen systematisch erfasst und berichtet werden, die keine Auswirkungen auf Mitarbeiter, Nachbarn oder die Umwelt haben. Dieser vorbeugende Ansatz wird verwendet, damit Schwachstellen identifiziert und korrigiert werden können, bevor ein schwerwiegenderes Ereignis auftreten kann.

Quote der Anlagensicherheits-Ereignisse (LoPC-IR)

 

 

2017

 

2018

1

Anzahl der LoPC-Ereignisse, bezogen auf 200.000 Arbeitsstunden

Loss of Primary Containment Incident Rate (LoPC-IR)1

 

0,13

 

0,09

Transportsicherheit

Die Transport- und Lagersicherheit sind Teil des HSE-Managements und werden von einem Netzwerk aus Experten und praxiserfahrenen Anwendern geführt, die divisions- und regionenübergreifend kooperieren. Details sind in den Konzernregelungen „Transportsicherheit“ und „Gesundheits-, Sicherheits-, Umweltschutz- und Qualitäts( HSEQ (Health, Safety, Environment, Quality) Englische Abkürzung für Gesundheit, Sicherheit, Umweltschutz und Qualität. )-Audits“ festgelegt. Zugrundeliegende Standards sind neben Bayer-internen Vorgaben die internationalen Regelwerke der WHO bzw. von Crop Life International. Das akquirierte Agrargeschäft verfügt über eigene Regelungen und Prozesse zur Transportsicherheit, die nicht mit denen von Bayer vergleichbar sind. Diese bleiben noch in Kraft, bis ab 2019 die Bayer-Anforderungen zur Transport- und Lagersicherheit auch im akquirierten Agrargeschäft eingeführt werden. Daher schließen die folgenden qualitativen Angaben das akquirierte Geschäft noch nicht mit ein. Die Anzahl der Transportereignisse wird integriert berichtet.

Die Transportsicherheit spielt eine große Rolle, sowohl für die Beförderung unserer Produkte im öffentlichen Verkehrsraum als auch beim Be- und Entladen sowie bei der Klassifizierung, Kennzeichnung und Verpackung, insbesondere von Gefahrgütern. Unser Einkauf (ohne das akquirierte Agrargeschäft) wählt Logistikpartner anhand strenger Sicherheits-, Umwelt- und Qualitätskriterien aus. Mit der Umsetzung unserer Anforderungen stellen wir sicher, dass die Materialien entsprechend den einzuhaltenden Vorschriften und ihrem jeweiligen Gefährdungspotenzial gehandhabt und befördert werden. Zusätzlich zu den gesetzlich geforderten Schulungen für unsere Mitarbeiter stellen wir spezielle elektronische Trainings zur Vermittlung von fachspezifischem Wissen zur Verfügung, die auch für unsere Dienstleister zugänglich sind.

Aufgrund unserer vorbeugenden und umfangreichen Sicherheitsvorkehrungen und -trainings kommt es selten zu Transportereignissen. Dazu zählen wir Unfälle mit Personen- oder erheblichem Sachschaden, die Beeinträchtigung der Umwelt durch frei werdende Stoffe oder den Austritt gefährlicher Güter, die nach festgelegten Kriterien detailliert aufgenommen und bewertet werden. Alle zehn Transportereignisse (einschließlich des akquirierten Agrargeschäfts) im Berichtsjahr (2017: neun) sind auf Unfälle beim Straßentransport zurückzuführen. Bei zwei der Transportereignisse handelt es sich gleichzeitig um Umweltereignisse.

Vergleich zum Vorjahr