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Einkauf und Lieferanten­management

  • Nachhaltigkeitskriterien im Lieferantenmanagement konsequent verankert
  • Lieferantenentwicklung im Bereich Nachhaltigkeit ausgeweitet

Der Einkauf versorgt das Unternehmen weltweit mit Rohstoffen, Gütern und Dienstleistungen. Durch unsere Einkaufsaktivitäten und Lieferantenbeziehungen üben wir Einfluss auf Gesellschaft und Umwelt aus. Daher sind neben wirtschaftlichen auch ethische, soziale und ökologische Grundsätze in unserer weltweit gültigen Einkaufsrichtlinie verankert, die für alle Mitarbeiter bindend ist.

Der Einkauf ist eine Konzernfunktion, deren Leiter direkt an den Finanzvorstand berichtet. Er ist zentral für alle Segmente tätig und ermöglicht Synergien durch die Bündelung von Know-how und Einkaufsvolumina.

Zu unseren wesentlichen direkten Einkaufsmaterialien zählen Wirkstoffe, Rohstoffe, Zwischen- und Fertigprodukte. Technische Güter und Dienstleistungen, Marketingdienstleistungen sowie Forschung und Entwicklung sind wichtige Bestandteile des indirekten Einkaufsportfolios.

Der Anteil von nachwachsenden Rohstoffen am Einkaufsportfolio spielt im Konzern eine untergeordnete Rolle. Diese Stoffe werden vor allem dort eingesetzt, wo es unter technischen, wirtschaftlichen und ökologischen Gesichtspunkten sinnvoll ist. Näheres dazu finden Sie auf unserer Website.

Im Berichtsjahr hat sich das Lieferantenportfolio bei Bayer durch die Akquisition von Monsanto und den Verkauf des Geschäfts mit Gemüsesaatgut und der digitalen Landwirtschaft verändert. Der Einkauf des akquirierten Agrargeschäfts ist organisatorisch bereits Teil der Bayer-Konzernfunktion Einkauf. Bis zum Abschluss der Integration in die Bayer-Prozesse wird dieser Teil der Einkaufsorganisation seine bisherigen Einkaufs- und Lieferantenmanagementprozesse und seine bisherige Einkaufsrichtlinie nutzen.

Die nachfolgende Tabelle zeigt relevante Kennzahlen unserer Einkaufsaktivitäten inkl. des akquirierten Agrargeschäfts.

Einkaufsaktivitäten

 

 

2017

 

2018

1

Durch die Integration des akquirierten Agrargeschäfts (Monsanto) ergeben sich u. a. Doppelnennungen bei der Anzahl der Lieferanten. Beginn der Lieferantenkonsolidierung für 2019 geplant.

Einkaufsvolumen in Mrd. €

 

14,9

 

17,1

Ausgaben in OECD-Staaten (überwiegend Deutschland und USA) in Mrd. €

 

12,2

 

13,5

Ausgaben in Nicht-OECD-Staaten (überwiegend Brasilien, Indien, China) in Mrd. €

 

2,7

 

3,6

Anzahl Lieferanten1

 

93.330

 

101.188

davon aus OECD-Staaten

 

64.827

 

68.900

davon aus Nicht-OECD-Staaten

 

28.503

 

32.288

Anzahl Länder

 

148

 

153

Bei unserer Lieferantenauswahl berücksichtigen wir sowohl alle Arten von Lieferanten als auch ihre Vielfalt, wozu u. a. auch unsere Supplier-Diversity-Programme in den USA beitragen.

Festgelegte Einkaufsprozesse und langfristige Verträge

Der Einkauf agiert nach festgelegten Einkaufs- und Lieferantenmanagementprozessen. Dabei stellen langfristige Verträge und ein aktives Lieferantenmanagement für strategisch bedeutsame Waren und Dienstleistungen wichtige Elemente dar. Sie dienen dazu, einkaufsspezifische Risiken wie Lieferengpässe oder größere Preisschwankungen zu minimieren, aber auch die Wettbewerbsfähigkeit des Konzerns und reibungslose Produktionsabläufe sicherzustellen. Mit ausgewählten Lieferanten arbeitet Bayer eng zusammen, um sie gezielt in Innovationsprozesse einzubinden.

Um zeitnah auf die Anforderungen unserer Standorte reagieren zu können, kauft der Konzern nach Möglichkeit Lokaler Einkauf bei Bayer bedeutet, dass die (Bayer-)Gesellschaft, für die bestellt wurde, im selben Land sitzt wie der Lieferant, bei dem bestellt wurde. ein. Damit wird zugleich die regionale Wirtschaft gestärkt. Dies traf im Berichtsjahr auf 74 % (2017: 71 %) des Einkaufsvolumens an unseren Hauptgeschäftsstandorte Eine Auswahl an Ländern, in denen Bayer im Jahr 2018 mehr als 80 % des Umsatzes generierte (Argentinien, Australien, Brasilien, China, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Indien, Italien, Japan, Kanada, Mexiko, Polen, Russland, Schweiz, Spanien, Türkei und USA).  und bezogen auf alle Länder weltweit auf 74 % (2017: 71 %) der Einkäufe zu.

Nachhaltigkeit in der Lieferkette

Für unsere Lieferkette gelten auf globaler wie regionaler Ebene klare nachhaltigkeitsbezogene Kriterien und Standards. Ihre Einhaltung ist für den Konzern ein wichtiger Wertschöpfungsfaktor und Hebel zur Risikominimierung.

Konzernweit ist ein vierstufiger Prozess zur Verbesserung der Nachhaltigkeitspraktiken in der Lieferkette etabliert, der aus den Elementen Bewusstseinsbildung, Lieferantenauswahl, -bewertung und -entwicklung besteht. Er wird zentral von der Nachhaltigkeitsabteilung des Einkaufs gesteuert. Die Umsetzung erfolgt durch eine funktionsübergreifende Zusammenarbeit der Konzernfunktionen Einkauf sowie „Health, Safety und Sustainability“. Im neu akquirierten Teil der Einkaufsorganisation werden bis zur vollständigen Integration in die Bayer-Prozesse die bisherigen Prozesse für Nachhaltigkeit im Einkauf genutzt.

Nachhaltigkeitsanforderungen im Verhaltenskodex für Lieferanten definiert

Unsere Nachhaltigkeitsanforderungen sind im Bayer-Verhaltenskodex für Lieferanten festgelegt, der auf unserer Menschenrechtsposition sowie den Prinzipien des „UN Global Compact“ beruht. Er ist in 14 Sprachen verfügbar und umfasst die Bereiche Ethik, Umgang mit Mitarbeitern, Gesundheitsschutz, Sicherheit, Umweltschutz und Qualität sowie Managementsysteme. Der Kodex findet Anwendung bei der Auswahl und Bewertung unserer Lieferanten und ist konzernweit in die elektronischen Bestellsysteme und Verträge integriert. In unseren Bayer-Standardlieferverträgen ist außerdem eine Klausel enthalten, die uns berechtigt, Lieferanten auf die Einhaltung der Nachhaltigkeitsanforderungen zu überprüfen.

Für bestehende Lieferantenbeziehungen des akquirierten Agrargeschäfts behält dessen bisheriger Verhaltenskodex seine Gültigkeit. Dessen Inhalte decken sich im Wesentlichen mit den Kodexinhalten von Bayer. Anfang 2019 wird ein neuer, gemeinsamer Verhaltenskodex veröffentlicht.

Bewertung der Nachhaltigkeitsleistung unserer Lieferanten

Wir planen, die über das akquirierte Agrargeschäft neu hinzugekommenen Lieferanten ab 2019 zur Prüfung ihrer Nachhaltigkeitsleistung in die Bayer-Evaluierungsprozesse zu integrieren. Dazu gehören die EcoVadis-Online-Bewertungen und Vor-Ort-Audits von externen sowie von Bayer-Auditoren. Der Einkauf des akquirierten Agrargeschäfts hat bisher Lieferantenbefragungen und Audits zur Überprüfung der Nachhaltigkeitsleistung seiner Lieferanten angewendet. Da diese Prozesse nicht mit denen von Bayer vergleichbar sind, schließen die folgenden Angaben das akquirierte Agrargeschäft für 2018 noch nicht ein.

Bayer überprüft die Einhaltung der Kodexvorgaben mittels einer Online-Bewertung des Lieferanten oder durch Vor-Ort-Audits. Die zu überprüfenden Lieferanten werden zu Beginn eines Jahres entsprechend ihrer strategischen Bedeutung und anhand einer Nachhaltigkeits-Risikobewertung, die das Länder- und Kategorierisiko kombiniert, ausgewählt. 2018 ergaben sich daraus 248 strategisch wichtige Lieferanten mit einem Einkaufsvolumen von 4,84 Mrd. €. Dazu kamen 238 Lieferanten mit erhöhtem Nachhaltigkeitsrisiko und einem signifikanten Einkaufsvolumen (> 1 Mio. € p. a.). Von diesen 486 Lieferanten wurden diejenigen überprüft, bei denen noch keine gültige Nachhaltigkeitsbewertung vorlag.

Die Anzahl der bewerteten und auditierten Lieferanten schließt außerdem einen Großteil der Lieferanten mit einem Nachhaltigkeitsrisiko und einem Einkaufsvolumen von > 500 T € p. a. ein – überdies solche, die wir aus Bewertungen über unsere Industrieinitiativen „Together for Sustainability“ (TfS) und „Pharmaceutical Supply Chain Initiative“ (PSCI) übernommen haben, sowie Lieferanten, die sich proaktiv bewerten ließen.

Insgesamt wurden im Berichtsjahr 715 (2017: 622) Lieferanten über unseren Dienstleister EcoVadis bewertet. Die Online-Bewertungskriterien von EcoVadis entsprechen unseren Kodex-Anforderungen und berücksichtigen Länder- und Branchenspezifika, sowie die Größe der Lieferanten.

2018 haben wir 79 (2017: 57) unserer Lieferanten vor Ort durch externe, unabhängige Auditoren überprüfen lassen. Die Überprüfungskriterien decken sowohl unsere Kodex-Vorgaben als auch branchenspezifische Anforderungen der Industrieinitiativen TfS und PSCI ab. Diese Initiativen sollen zu einer Standardisierung der Nachhaltigkeitsanforderungen für Lieferanten in der Chemie- und Pharmaindustrie beitragen. Dazu tragen u. a. die gegenseitige Anerkennung und der Austausch von Bewertungs- und Auditergebnissen bei. Bayer-Auditoren überprüfen ausgewählte neue und bestehende Lieferanten mit dem Schwerpunkt auf Gesundheit, Sicherheit und Umweltschutz. Diese Audits finden bei Lieferanten mit signifikantem Risikopotenzial statt, z. B. in Bezug auf Stoffe, Produktionsprozesse, Arbeitssicherheit oder Umweltfaktoren und bei Lieferanten der Lohn- und Auftragsfertigung mit erhöhtem Länderrisiko. 2018 wurden 130 (2017: 115) Lieferanten durch Bayer-Auditoren überprüft.

Bewertungen und Audits von Bayer-Lieferanten

 

 

2017

 

2018

1

Durch Bayer initiierte sowie über EcoVadis innerhalb der TfS-Initiative geteilte Erst- und Neubewertungen von Lieferanten, die für Bayer tätig sind

2

Durch Bayer initiierte sowie innerhalb der TfS- und PSCI-Initiative geteilte Erst- und Folgeaudits von Lieferanten, die für Bayer tätig sind

3

Health, Safety, Environment (Gesundheit, Sicherheit, Umwelt)

Nachhaltigkeitsbewertungen1 über die EcoVadis-Plattform

 

622

 

715

Nachhaltigkeitsaudits2 durch externe Auditoren

 

57

 

79

HSE3-Audits durch Bayer-Auditoren

 

115

 

130

Die Online-Bewertungen und Vor-Ort-Audits werden analysiert und dokumentiert, damit bei kritischen Ergebnissen mit den Lieferanten konkrete Verbesserungsmaßnahmen definiert werden können. Bei den Online-Bewertungen durch EcoVadis zeigten die Lieferanten 2018 vor allem in den Bereichen nachhaltiger Einkauf und Umwelt Verbesserungsbedarf, bei den Audits hingegen betraf dieser insbesondere den Bereich Gesundheitsschutz und Sicherheit. Ein kritisches Ergebnis erhält ein Lieferant bei einem schwerwiegenden Verstoß oder erheblichen Mängeln bezüglich seiner Nachhaltigkeitsleistung. 2018 betraf dies 17 Lieferanten (2 % aller bewerteten und auditierten Lieferanten; 2017: 3 % (20)). In diesen Fällen werden die Lieferanten von Bayer aufgefordert, die festgestellten Schwachpunkte auf der Basis konkreter Aktionspläne innerhalb eines angemessenen Zeitraums zu beseitigen. Die Umsetzung kontrollieren wir mittels Neubewertungen oder Folgeaudits. Kann in einer erneuten Überprüfung keine Verbesserung festgestellt werden, behält sich Bayer das Recht vor, die Lieferantenbeziehung zu beenden. 2018 waren wir veranlasst, eine Lieferantenbeziehung allein aufgrund der Nachhaltigkeitsleistung zu beenden.

Unser regelmäßiges Monitoring zeigt, dass im Berichtsjahr 343 (2017: 348) unserer insgesamt 794 (2017: 679) überprüften Bayer-Lieferanten ihre Nachhaltigkeitsleistungen verbessert haben.

Schulungen und Dialog zum Thema Nachhaltigkeit

Wir bieten unseren Lieferanten vielfältige Entwicklungs- und Austauschmöglichkeiten. Um die operative Umsetzung unseres Verhaltenskodex für Lieferanten verständlicher zu machen, haben wir 2018 einen Nachhaltigkeitsleitfaden entwickelt. Die Umsetzung wurde im Berichtsjahr erstmals auf einem Bayer-Lieferantentag in Brasilien geschult. Die beiden Industrieinitiativen TfS und PSCI bieten mit der TfS-Supplier Academy und den PSCI-Nachhaltigkeitswebinaren weitere Fortbildungsbausteine für unsere Lieferanten. 2018 veranstalteten sie außerdem in Indien und China Lieferantentrainings und -workshops.

Im Berichtsjahr hat Bayer sich mit zehn weiteren deutschen Industrieunternehmen unter dem Dach von econsense zur „Initiative der Deutschen Wirtschaft für nachhaltige Wertschöpfungsketten“ zusammengeschlossen. In den ausgewählten Beschaffungsmärkten China und Mexiko wurden Lieferanten vor Ort über neun Monate in nachhaltigen Geschäftspraktiken geschult.

Mit gezielten konzernweiten Trainings unterstützen wir außerdem unsere Einkaufsmitarbeiter bei der Umsetzung unserer Nachhaltigkeitsanforderungen.

Vergleich zum Vorjahr